Hast du schon einmal bemerkt, dass das klassischste Bild von Halloween kein gruseliger Geist ist, sondern eine Katze —— eine schwarze Katze mit gewölbtem Rücken, die ruhig auf einem Mond liegt
Manchmal ist es ein Vollmond, manchmal eine schmale Mondsichel. Wenn sich die Silhouette der schwarzen Katze auf den Mond legt und der orange Hintergrund dazukommt, ist die Halloween-Stimmung sofort da. Sie ist fast zu einem festen visuellen Symbol dieses Festes geworden, noch verbreiteter als der Kürbis
Aber hast du dir schon einmal überlegt, wie die schwarze Katze und der Mond überhaupt zusammengekommen sind? Das eine läuft auf der Erde, das andere hängt am Himmel, wie konnten sie zu einem Traumpaar werden?
Diese Silhouette ist eigentlich überhaupt nicht neu, ihre Herkunft ist viel älter, als du denkst
Freunde der Nacht: Katzen und der Mond gehören von Natur aus zusammen
Beginnen wir mit der konkretesten Ebene: Katzen und der Mond sind von Natur aus Freunde der Nacht
Katzen sind nachtaktive Tiere, tagsüber schlafen sie träge, und sobald die Nacht anbricht, werden sie munter und springen umher. Der Mond aber ist die hellste Lampe am gesamten Nachthimmel. Eine nachtaktive Katze lebt fast jeden Tag im Mondlicht
Und denk noch einmal an das Aussehen einer Katze: Im Mondlicht geht eine Katze mit gewölbtem Rücken und leisen Schritten über die Dachtraufe, den Schwanz leicht schwingend —— ihre Silhouette ist von Natur aus der Inbegriff der Nacht. Besonders eine schwarze Katze, ganz in Schwarz, ist in der Dunkelheit fast unsichtbar, nur die zwei Augen, die im Mondlicht glänzen, sind zu sehen. Ein solches Bild wirkt auf jeden Betrachter ein wenig unerklärlich geheimnisvoll
Katzen und der Mond wurden also nicht künstlich zusammengebracht, sie gehören von Anfang an zur selben Welt: die Nacht, das Mondlicht, die lautlos umherstreifende Katze. Das ist die erste Grundlage jener Silhouette
Die älteste Überlieferung: die altägyptische Katzengöttin Bastet
Wenn man nach dem direktesten kulturellen Ursprung von schwarzer Katze und Mond sucht, muss man ins alte Ägypten zurückgehen
Die alten Ägypter waren berühmt für ihre Liebe zu Katzen. Sie hatten eine Katzengöttin namens Bastet —— diese Göttin erschien oft als weibliche Gestalt mit Katzenkopf oder Löwenkopf, wurde als Schutzgöttin der Familie verehrt und stand auch mit dem Mond in Verbindung, manchmal wurde sie zu den Mondgöttinnen gezählt
Im alten Ägypten war die Stellung der Katze erschreckend hoch: Wer eine Katze tötete, selbst versehentlich, konnte dafür hart bestraft werden. Bei ihnen war auch die Vorstellung verbreitet —— die Seelen der Verstorbenen würden zu schwarzen Katzen, und in der Vollmondnacht versammelten sich diese schwarzen Katzen. Siehst du, schon vor Jahrtausenden wurden schwarze Katze und Mond fest miteinander verbunden
Wenn man dieser Spur folgt, gibt es die Assoziation von Katze und Mond tatsächlich schon seit dem alten Ägypten. Die Silhouette der schwarzen Katze auf dem Mond lässt sich bis zu jener Schar von Katzen am Nil zurückverfolgen, die als Gottheiten verehrt wurden
Eine noch raffiniertere Theorie: Bei Vollmond sind die Augen der Katze am rundesten
Neben dem Mythos gibt es noch eine sehr anschauliche Erklärung, die speziell davon handelt, dass Katze und Mond sich im Aussehen sehr ähneln
Hast du schon einmal gesehen, wie eine Katze bei Vollmond aussieht? Der Vollmond steigt auf, groß und rund, und in diesem Moment werden auch die Augen der Katze besonders rund —— Katzenaugen sind von Natur aus oval, bei Aufregung oder Konzentration weiten sich die Pupillen, und das ganze Auge wird fast zu einem Kreis
Deshalb vergleichen manche Leute Katzen mit dem Mond: Der Vollmond ist rund, und die Augen einer Katze unter dem Vollmond sind es auch. Manche sehen in der Katze sogar ein Wesen, das wie der Mond Licht in die Dunkelheit bringt – der Mond erhellt den Nachthimmel, die Katzenaugen leuchten in der Nacht, und dieses Paar passt einfach perfekt zusammen
Diese Vorstellung holt schwarze Katze plus Mond aus dem Mythos mitten in ein Bild, das man direkt vor Augen hat – in der Vollmondnacht hockt eine schwarze Katze auf dem Dach, die Augen rund wie der Vollmond am Himmel. Und genau das ist die reale Version jener Halloween-Silhouette
Und dann ins Mittelalter: Die schwarze Katze wird zur Katze der Hexe
Später nahm die Sache eine Wendung, die einem ein wenig das Herz schwer macht
Im mittelalterlichen Europa wütete die Hexenverfolgung, und weil schwarze Katzen ganz schwarz sind, nachts umherstreifen und ihre Augen im Dunkeln reflektieren, hängte man ihnen kurzerhand die Rolle als Gefährte der Hexen und Verkörperung des Teufels an. Aus einer Gottheit des alten Ägypten wurde so ein Unglücksbringer, den jeder mied
Interessant ist aber: Gerade wegen dieser dunklen Geschichte wurde die Verbindung der schwarzen Katze mit Dunkelheit, dem Übernatürlichen und der anderen Welt noch enger. Und der Mond ist von jeher ein Symbol für Nacht und Mystik. Zwei dunkle Elemente zusammen – schwarze Katze plus Mond – ergeben genau jene geheimnisvolle Rezeptur, die Halloween am liebsten mag
Und genau so entstand jene Halloween-Silhouette
Die Halloween-Silhouette der schwarzen Katze auf dem Mond ist also Schicht für Schicht zusammengewachsen:
Ganz unten liegt das natürliche Bild der Katze als Nachttier, das jeden Tag im Mondlicht lebt, darüber der Mythos der altägyptischen Göttin Bastet, die schwarze Katze und Mond offiziell zusammenbrachte, dann die Assoziation, dass Katzenaugen bei Vollmond am rundesten sind, und ganz oben jene geheimnisvolle Schicht, die das Mittelalter der schwarzen Katze verliehen hat
All diese Schichten zusammen machen schwarze Katze plus Mond zu einem fast perfekten Halloween-Symbol: Es hat Nacht, Mondlicht und Geheimnis, ist aber nicht wirklich gruselig – ein kleines Kätzchen mit rundem Rücken, das auf dem Mond liegt, geheimnisvoll und niedlich, wer könnte das nicht mögen
Deshalb taucht die Silhouette der schwarzen Katze in der Halloween-Dekoration immer zusammen mit dem Mond auf, fleißiger als alles andere
Zum Schluss noch ein Wort
Wenn du das nächste Mal diese Halloween-Dekoration mit der schwarzen Katze auf dem Mond siehst, denk eine Ebene tiefer: Dieses Kätzchen ist nicht nur Dekoration
In ihr steckt die Ehrfurcht der alten Ägypter vor der Katze aus Jahrtausenden, steckt die romantische Vorstellung, dass Katzenaugen in der Vollmondnacht am rundesten sind, steckt der ganze geheimnisvolle Zauber der Nacht. Sie hockt auf dem Mond und hält Wache für alles, was nächtlich, geheimnisvoll und ein bisschen niedlich ist
Die schwarze Katze und der Mond, die eine läuft auf der Erde, der andere hängt am Himmel, sind doch durch ihr gemeinsames Zuhause, die Nacht, vom Menschen zur selben Legende gemacht worden. Und diese Silhouette ist so tief in die Herzen gedrungen, nicht weil sie besonders gruselig wäre, sondern weil sie alles, was Halloween sagen will – Nacht, Mond, Geheimnis – in einer einzigen kleinen Katze mit rundem Rücken verdichtet
Das ist wohl die schönste Form von schwarzer Katze und Mond: geheimnisvoll und zugleich niedlich



